3. Werkstatt – Präsentation und Diskussion der drei Entwurfsszenarien

Impressionen aus der 3. Werkstatt

Im Rahmen der 3. Öffentlichen Werkstatt wurden am 09.09.2021 die überarbeiteten Entwürfe zu drei möglichen Szenarien der Weiterentwicklung des Jahnportparks präsentiert. Die Bürger*innen erhielten die Möglichkeit, Ihre Meinung zu den Entwürfen zu äußern. Gemeinsam mit der Bewertung durch Fachexpert*innen fließen diese Äußerungen in die Empfehlungen der Projektgruppe zur Herbeiführung einer politischen Entscheidung für eine finale Variante ein.

Pandemiebedingt fand die Veranstaltung, wie bereits die 2. Werkstatt, mit begrenzter Platzkapazität und unter strengen Hygienregeln in Zelten auf dem Parkplatz des Jahnsportgeländes statt. Nach einer offiziellen Begrüßung durch die eingebundenen Senatsverwaltungen und das Bezirksamt Pankow ging es in die Diskussion in drei Workshopzelte. Hier stellten die drei Planungsteams Ihre überarbeiteten Entwürfe zu den drei Entwicklungsszenarien vor. Nach dieser Vorstellung wurden die Bürger*innen aufgerufen, Ihre Meinung zu den Entwürfen zu äußern.

Folgende Fragen sollten hierbei beantwortet werden:

  • Wie empfinden Sie die Einbindung des Stadions in den Sportpark? Wie empfinden Sie die Einbindung des Stadions in die Nachbarschaft?
  • Empfinden Sie die vorgeschlagene Mischung der verschiedenen Angebote (sportfachlichen und nicht sportfachlichen) gelungen?
  • Wie beurteilen Sie den Umgang mit den identitätsstiften Merkmalen im Entwurf (Flutlichtmasten, Mauer, Tribüne)?
  • Wie bewerten Sie den Umgang mit den bestehenden (Naturwiese, Bäume) Frei- und Grünflächen? Ist es dem Entwurf gelungen, neue qualitätsvolle Frei- und Grünflächen zu schaffen?
  • Konnte mit dem Entwurf – aus Ihrer Sicht – ein Beitrag für Erfüllung eines „Inklusions-Sportpark“ geleistet werden? Und wenn ja, was ist besonders hervorzuheben?
Impressionen aus der 3. Werkstatt (Video: georg+georg)

Finaler Stand der Entwurfsszenarien

Szenario 1: Abriss und Neubau an gleicher Stelle

Inhalte erarbeitet und verfasst vom Team Yellow Z / Holzwarth Landschaftsarchitektur

Ansicht des Modells von Team 1
Modell zum Entwurf für Szenario 1 (Foto: georg+georg)

Ausgangslage

Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark soll nach Beschluss des Senats zu einem zukunftsweisenden öffentlichen Inklusionspark umgebaut werden. Den Bedarfen von Schul- und Vereinssport, Breitensport und informellen Sportarten soll dabei Rechnung getragen werden. Das Szenario 1 „Abriss und Neubau des Stadions an gleicher Stelle“ wurde bereits in der Untersuchung von Drees und Sommer (August 2020) grundsätzlich erarbeitet und sah sich in der Folge starker Kritik ausgesetzt. Der Verlust des von vielen Bürger*innen geschätzten Cantianstadions, wertvoller Vegetation und der informell nutzbaren Liegewiese, aber auch der generelle Umgang mit Ressourcen wurden bemängelt. Das Szenario „Abriss und Neubau an gleicher Stelle“ bietet jedoch die Chance, das Thema Inklusion von Grund auf in die Konzeption einzubringen und weiteren Herausforderungen konsequent zu begegnen.

Anforderungen

In der hier vorliegenden Studie werden die genannten Kritikpunkte berücksichtigt, soweit das geforderte Raumprogramm und weitere Rahmenbedingungen dies zulassen. Die Komplexität der Planungsaufgabe und die hohen, vielfältigen Ansprüche an den neuen Sportpark erfordern einen räumlich-funktional integralen und „multicodierten“ Konzeptansatz. Das gegenüber dem heutigen Zustand erheblich erweiterte Raumprogramm, welches auf gleicher Fläche unterzubringen ist, kann nur durch kluges Kombinieren, Bündeln und Stapeln von Nutzungen erfüllt werden. Die durch Inklusion, Ökologie, Energiegewinnung, Regenwassermanagement, Verkehr und Rettungswege etc. zahlreichen, teilweise auch widerstrebenden Vorgaben und Vorstellungen müssen angemessen berücksichtigt und ggf. in Kompromissen umgesetzt werden. Große Bereiche des Areals können jedoch kompakt neu geordnet werden, sodass sich überraschende Freiräume für gute Gestaltung und neuen Mehrwert ergeben.
Die aufgabenbedingte grundlegende Neuordnung vor allem im westlichen Teil des Areals bewirkt den Verlust einiger heute vorhandener Bäume und Freiflächen und des ebenfalls identitätsstiftenden alte Stadions. Anspruch des Entwurfs ist es daher zum einen, möglichst viele wertvolle Bestandselemente – Bäume, Hecken, Sportflächen, bauliche Elemente – weiterhin zu halten und zu integrieren. Gleichzeitig bietet sich durch eine effiziente „Neuformatierung“ die Chance, viele der heutigen funktionalen und räumlichen Mängel zu beseitigen, Verluste zu kompensieren und dem Sportpark eine neue atmosphärische Qualität einzuschreiben.

Entwurfskonzept

Der Entwurf baut in wesentlichen Teilen auf der heutigen Grundstruktur auf, die durch die vorhandenen Wegebeziehungen, die Eingänge, zu erhaltende Flächen, Bestandsbäume und -bauten stark vorgegeben ist. Die in kompakten Baukörpern organisierten neuen Nutzungen gruppieren sich im Herzen des Areals um einen zentralen Platz, der zum Dreh- und Angelpunkt des Sportparks wird. Durch leichte Drehung und Verschiebung des Stadions in Richtung Eberswalder Straße sowie die etwas freiere Komposition der angrenzenden Fassaden entsteht eine großzügige, lockere Raumsituation inmitten des ansonsten stark orthogonal geprägten Campus. Im Rücken des Begegnungszentrums bleibt genügend Platz für eine nicht-funktionsgebundene, informell nutzbare „Freizeitwiese“ mit ökologischer und klimatischer Wirkung. Das neue Stadion rückt näher an die Eberswalder Straße heran, wird sichtbarer im Stadtraum und schafft damit eine starke neue Adresse. Neben dem Stadion enthält das Konzept drei weitere, effizient organisierte Hallen- und Funktionsbauten, die eine aktive Dachnutzung in Form von Sportanlagen aufweisen.
Für alle Hochbauten gilt, neben den Inklusionserfordernissen auch weitere Ansprüche an Klimaschutz und Klimaanpassung, Umgang mit Ressourcen, Energieversorgung, verwendete Materialien etc. ernst zu nehmen. Nicht zuletzt kann der Anspruch an erstklassige Architektur und Freiraumgestaltung an diesem Standort kaum hoch genug eingeschätzt werden.

Entwurfsbausteine

Die Bauminseln

… am Eingangsbereich Eberswalder Straße bilden mit leichter Topographie eine grüne Antrittszone zum Sportpark. Sie werden aus dem heutigen baumbestandenen Hang herausentwickelt, wobei möglichst viele der heutigen Bestandsbäume erhalten werden sollen.

Das Stadion

… rückt etwas näher an die Eberswalder Straße heran, wirkt aber durch seine mit 16 Metern an der höchsten Stelle moderat angesetzten Traufkante nicht als Höhendominante im Umfeld.
Wichtig wird hier ein hoher Anspruch an die Architektursprache, um dem Jahnsportpark eine angemessene Adresse zu verleihen und in dem dichten Stadtquartier auch ästhetisch einen Mehrwert zu bieten.
Eingänge befinden sich auf 3 unterschiedlichen Niveaus, sodass jedes Geschoss von außen ebenerdig begangen werden kann. Optional kann auch von Norden noch ein 4.
Eingang und Ausgang angeordnet werden. Die Inklusionsanforderungen hinsichtlich Barrierefreiheit werden durch umlaufende Rampen für inklusive Sitzplätze im gesamten Stadion und barrierefreie Erschließung über Aufzüge und Rampen, erfüllt. Weitere Inklusionsthemen (taktile und auditive Leitelemente, genderneutrale Ausgestaltung, etc.)
müssen in der Detailausgestaltung der Architektur berücksichtigt werden.
Das neue Stadion wird von den zwei ikonischen alten Lichtmasten des alten Cantianstadions flankiert, welche nun als Brutstätte für Vögel und Fledermäuse umgerüstet werden, um den Innovationsgeist des Sportparks verkörpern.
Die ehemalige, markante bunte Bestuhlung kann aufgrund ihrer nicht brandschutzkonformen Beschaffenheit im Stadion nicht wiederverwendet werden, findet sich jedoch im Park integriert in Sitzelemente wieder. Die neue Stadionbestuhlung übernimmt den historischen Farbcode und trägt somit die Geschichte des Cantiansstadions weiter.

Die Multihalle

… ist ein Multitalent: sie beinhaltet eine Dreifeldhalle, eine Vierfeldhalle, Kraft- und Mehrzweckräume sowie Infrastruktur für Sportanlagen (Umkleiden, Lager, Toiletten, etc.) und Nebenräume (Müllraum, Waschküche etc.). Weiter stehen Räumlichkeiten für Arzt und Physiotherapie sowie zusätzliche Räume für Vereine zur Verfügung. Im südlichen Gebäudeteil befinden sich behindertengerechte KFZ Stellplätze und Fahrradparken nebst Lademöglichkeiten und einer Servicestation für Fahrräder und Mobilitätshilfen.
Das Dach wird als Kunstrasen-Großfeld genutzt, erschlossen über Außenaufzug und eine Rampe, welche entlang der Ost- und Südfassade entlangläuft. An diese Rampe sind auch Notausgänge aus den unterschiedlichen Gebäudegeschossen angeschlossen.
Die Nordfassade des Gebäudes an der „Grünen Mitte“ integriert informelle Angebote wie Boulder- und Kletterwände. Die übrigen Fassaden sind klimaaktiv ausgestaltet mit Fassadenbegrünung und Wasserspeicherfähigkeit. Auch das Logo „kickender Bär“ kann hier Platz finden.

Die Grüne Mitte

… ist das Herz des Campus, Dreh- und Angelpunkt des Sportparks, Treffpunkt und „Verteilerplatz“. Von hier aus hat man alles im Blick und ist schnell an jedem Ort.

Die Freizeitwiese

… ersetzt die heutige Liegewiese in ähnlicher Größe, um im neuen Sportpark auch weiterhin eine frei nutzbare, unprogrammierte Fläche zu behalten. Ein Baumrand rahmt zusammen mit einem „Wildkräutersaum“ die Wiese, spendet Schatten und wirkt sich positiv auf Ökologie und Stadtklima aus.

Die Lauf- und Rollstrecken

… liegen als „Doppel-Loop“ im Sportpark und passieren viele unterschiedliche Teilbereiche des Parks.

Das Begegnungszentrum

… ist ein ikonisches Bauwerk im Zentrum des Areals. Es verleiht dem gesamten Park Strahlkraft als inklusives Leuchtturmprojekt mit innovativer Bauweise (vorzugsweise cradle to cradle –„in konsequenter Kreislaufwirtschaft“) und klimaaktiven Fassaden.
Die öffentlichen Bereiche im Erdgeschoss beinhalten Gastronomie, Abstellraum für Fahrräder und Mobilitätshilfen, sowie Funktionsräume für ungedeckte Sportanlagen (Toiletten, Umkleide, Lager, etc.). In den Obergeschossen befinden sich halböffentliche Bereiche und Vereinsbüros.
Eine umlaufende Rampe erschließt das gesamte Gebäude innen wie außen, auch die „Terrassen“ und das Dach mit der Blindensportanlage sind dadurch barrierefrei zugänglich. Durch eine Brücke von Dach zu Dach ist das Begegnungszentrum mit der Tennishalle verbunden.

Die Tennishalle

… schiebt sich in den Hügel zwischen Stadion und Max Schmeling Halle und beherbergt 3 Tennissportfelder mit rollstuhlfähigem Belag, Nebenräume für die Tennishalle sowie für andere Sportanlagen. Das Dach der Tennishalle geht „nahtlos“ in den Hügel über. Hier befinden sich die ungedeckten Tennisplätze (2 x Hartplatz, 3 x Sandplatz), außerdem 6 Beachvolleyballfelder (mit kleinem Servicegebäude (Spinds, Toiletten, Lagerraum) sowie informelle Sportangebote wie Trimm Dich Pfad, Calisthenics, und Elemente für Parcour. Dachfläche und Hügeln werden inklusionsgerecht über die an der nördlichen Gebäudeseite verlaufenden Rampe erschlossen; eine Brücke bindet von dort aus barrierefrei an das Begegnungszentrum an. Im EG finden sich Abstellraum für Fahrrad und Mobilitätshilfen sowie eine kleine Anzahl an barrierefreien Parkplätze.

Textliche Erläuterungen zu Szenario 1 (nicht barrierefrei)

pdf-Dokument (79,69 kB) – Stand: 10.09.2021

Grafische Erläuterungen zu Szenario 1 (nicht barrierefrei)

pdf-Dokument (2,77 MB) – Stand: 10.09.2021

Szenario 2: Umbau und Erhalt des Stadions

Inhalte erarbeitet und verfasst vom Team weberbrunner berlin / Herwarth + Holz / Landschaft planen+bauen

Modell von Team 2
Modell zum Entwurf für Szenario 2 (Foto: georg+georg)

Entwurfliche Leitgedanken

  • Stärkung des Park-Charakters durch eine behutsame Entwicklung des Geländes, die die sportfachlichen Bedarfe mit den Bedürfnissen der Anwohner:innen / Nutzer:innen des Sportparks bestmöglich in Einklang bringt
  • Erhalt und Stärkung wertvoller Freiflächen durch optimale Multicodierung von Gebäude- und ungedeckten Sportflächen
  • Bewahrung der landschaftlichen Einbettung des Stadions und der damit verbundenen stadträumlich verträglichen Integration der Großstruktur in die benachbarten Stadtquartiere
  • Integration der Topografie als Chance für ein einmaliges „Design for all“-Konzept durch mehrere ohne technische Hilfsmittel erreichbare barrierefreie Ebenen im Stadion für alle
  • Erhaltung der identitätsstiftenden Elemente wie die Flutlichtmasten, die Hinterlandmauer der Solitär-Charakter des Haupttribünen-Gebäudes und die markanten Baumbestände
  • Ertüchtigung des bestehenden Stadions durch einen behutsamen Umbau der viergeschossigen Haupttribüne und einen umfassenden Umbau der umschließenden Tribünenränge
  • Erschließung und Ausschöpfung der vorhandenen Nutzungspotenziale und Erhaltung des hohen ökologischen Wertes des bestehenden Stadions durch weitgehende Nutzung des bereits aufgebrachten Einsatzes an grauer Energie und dem damit verbundenen geringerem Umfang an grauen (Treibhausgas-) Emissionen
  • Weitgehende Vermeidung von Erdbewegungen sowie der Deponierung von Materialien und Bodenaushub

Sportfachlicher und nicht sportfachlicher Bedarf

  • Weitgehende Erfüllung der sportfachlichen Bedarfe
  • Verzicht auf ein viertes Großspielfeld zugunsten der stadtklimatisch bedeutsamen und multifunktional nutzbaren Naturrasenfläche
  • Multicodierung der Flächen durch die Anordnung von zwei Großspielfeldern sowie fünf Tennisplätzen auf Gebäudedächern
  • Ergänzung des Raumprogramms durch kleinteilige informelle Sportnutzungen für alle Altersgruppen: Fitness-Hang mit optionalem Hochpunkt an der Eberswalder Straße, Kiez-Kids-Haus an der Gaudystraße als Ergänzung bei den Spielplätzen für den jüngsten Nachwuchs, Aktivband, umlaufende Roll- und Laufstrecke, Naturrasenfläche etc.

Städtebauliche Dichte und Kontext

  • Konzentration der erforderlichen Gebäudeneubauten (für Tennis-/Sporthallen, Umkleiden, Verwaltung) auf zwei kompakte, gut eingebundene Gebäude im Zentrum des Geländes, dadurch
    • Erhalt des offenen, parkartigen Geländecharakters
    • Freihaltung der sensiblen Randbereiche von Gebäude-Neubauten
    • Minimierung von Flächenversiegelungen
  • Maßgebliche Erweiterung des bestehenden Platanenhains für Verbesserung der Nachtauskühlung und der Aufenthaltsqualität bei intensiverer Nutzung des Areals
  • Reduzierung des ruhenden Verkehrs zugunsten von Aufenthaltsflächen für Sportler:innen und Besucher:innen
  • Integration einer Sportpark-orientierten gastronomischen Einrichtung im Erdgeschoss des zentral gelegenen ‚Haus des Sports‘
  • Integration einer weiteren gastronomischen Einrichtung im ehemaligen Eingangsgebäude an der Cantianstraße, welches den Übergang und Eintritt vom Quartier bildet und auch abends eine niedrigschwellige Nutzung und damit sicheren öffentlichen Raum bietet

Stadion

  • Vollständige Erfüllung des Raumprogramms für das Stadion mit minimalinvasiven Maßnahmen:
    • Im Haupt-Tribünengebäude untergebracht: (1) Räume für Einsatzkräfte, (2) Büro und Organisation, (4) Kassen (im Sockelbereich), (6) Erste Hilfe & Dopingkontrolle, (7) VIP, (8) Pressebereich
    • Die Räume der Kategorien (3) Sanitär/Versorgung & Merchandising werden umlaufend zu den Rängen sowie begleitend zur Erschließung der Spielfeldfläche als Konzept der „kurzen Wege“ angeboten
    • Der Bereich (5) Umkleiden“ wird auf dem Spielfeld-Niveau barrierefrei unter den Zuschauerrängen der Haupttribüne installiert
    • Der (9) Technikbereich wird für den Sportpark zentral bei der Tiefgarage vorgesehen
    • Die Funktionsbereiche (10) Lager- und Werkstätten befinden sich im Sockelbereich neben der Anlieferung des Stadions beidseitig des Haupttribünen-Gebäudes
  • Berücksichtigung der Flucht- und Rettungswege entsprechend der städtebaulichen Machbarkeitsstudie (Rettungswegbreiten Stadion bei 20.000 Zuschauer:innen)
  • Schaffung einer zweiten Umfahrungsspur durch einen schlankeren Stadionkörper auf der westlichen Seite des Stadions. Die Aufstellflächen können gemäß Planung von 2014 weiterverfolgt werden
  • Erhaltung der Silhouette des historischen Ortes im Äußeren – Transformation und Erneuerung im Inneren: die neue „innere Schale“ erfüllt die heutigen Anforderungen an die Ränge, mit einer minimalen Absenkung werden zeitgemäße Sichtlinien-Parameter erfüllt und ein Umbau im laufenden Betrieb ermöglicht
  • Optimierung des Stadions im Inneren: es wird in Ost-West-Richtung schlanker, es wird ca. 1 m in der Tiefe erweitert = diese neue innere Schale passt sich in die Silhouette des Bestands ein und verursacht dadurch minimale geometrische Anpassungen
  • Verbesserung des Lärmschutzes, der Akustik und der Beleuchtung des Stadions durch eine umschließende Überdachung
  • Erweiterung des Stadions in die Tiefe und damit verbunden Verkürzung und Verbesserung der Sichtbeziehungen zum Spielfeld
  • Ertüchtigung des Stadiongebäudes (Brandschutz, Schadstoffbeseitigung, Nutzung regenerativer Energien u.a.)

Inklusion

  • das Stadion wird als „design-for-all“ als national und international wettkampftaugliches Fußball- und Leichtathletik-Stadion umgebaut:
    • Zuschauer:innen können über Zugangsrampen jeden Sektor ohne technische Hilfsmittel direkt erreichen, es gilt das Prinzip der freien Wahl für alle: die Zuschauerränge bieten barrierefreie „mixed-zones“ (wo Rollstuhlfahrer:innen und andere Personen gemeinsam Platz finden) in drei Ebenen an: zwei im oberen und unteren Drittel sowie eine auf der Spielfeldebene (d.h. 1 m über Spielfeldniveau)
    • Sportler:innen erreichen das Stadion barrierefrei über die beiden Zugangsrampen neben dem Haupteingang sowie über den Aufzug im Hauptgebäude
  • Die gedeckten Sportflächen liegen in der vorhandenen Topografie des Areals und sind auch wegen der klimaschonenden Reduktion versiegelter Flächen vertikal gestapelt. Die Gebäude verfügen über strukturelle inszenierte Rampen entlang des Gebäudes. Diese ermöglichen im Ernstfall und bei großer Besetzung der Gebäude eine selbstständige Eigenrettung z.B. für Personen im Rollstuhl
  • Signaletik, Orientierung, Information: für alle gedeckten und nicht gedeckten Sportflächen sowie Stadionbedarfsflächen sind die einschlägigen Richtlinien und Normen hinsichtlich Inklusion anzuwenden
  • An- und Abreise: der Sportpark erhält oberirdisch bei den Eingängen der Gebäude dezentral liegende oberirdische Parkplätze (ca. 90), die ausschließlich für mobilitätseingeschränkte Personen zur Verfügung stehen. Weitere gemäß Bedarfsprogramm ausgewiesene (200-300) Stellplätze sind in der Tiefgarage im selben Gebäude wie die Inklusionsforschungs-3-Feld-Halle sowie die 4-Feld-Wettkampf-Halle untergebracht. Durch diese Anlage werden kurze Wege und gute Übersichtlichkeit erreicht

Identitätsstiftende Merkmale

  • Vollständige Erhaltung der Flutlichtmasten, Tribünengebäude sowie die Wallanlage zum Mauerpark inkl. der Hinterlandmauer einschließlich der markanten Baumbestände (Platanenhain, Säulenpappel-Reihen)
  • Gewährleistung auch zukünftig einer guten Wahrnehmbarkeit der identitätsstiftenden Merkmale aufgrund der minimalinvasiven Nachverdichtung
  • Erhalt der Fächermasten in ihrer Funktion für die Adressbildung: Zahlreiche technische Bauten der jüngeren Zeit sind identitätsstiftender, erhaltenswürdiger Teil unserer Baukultur. Die Flutlichtmasten sind deutlich sichtbar gestaltet: Im Jubiläumsjahr 1987 wollte die DDR ein Signal nach Westen senden. Insoweit sind die Masten auch Großexponate des Mauerparks bzw. Mauerstreifens von Nordbahnhof bis Bornholmer Brücke. Man könnte sie diskret mit LEDs bespielen, z.B. mit illuminierenden Elementen, die bei Veranstaltungen leuchten, evtl. in Farben der dort spielenden Vereine. Diese Installation könnte man zum Thema eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs machen

Freiraum- und Landschaftsstruktur

  • Bewahrung und Stärkung der bisherigen gut funktionierenden T-förmigen Strukturierung des Geländes
  • Ausbildung eines üppigen grünen Rands und dichte Grünachsen durch das Areal
  • Verlagerung der Tennisplätze nach Norden (kombiniert mit einer eingesenkten Tennishalle), um die angrenzende Naturrasenfläche ins Zentrum des Sportparks zu rücken
  • Ausbildung des „Sportforums“ als zentraler Dreh- und Angelpunkt zwischen dem Stadion, dem „Haus des Sports“, der Naturrasenfläche sowie dem Platanenhain
  • Beibehaltung und Akzentuierung (Ergänzung) der Gliederung des Sportparks durch Baumreihen: dadurch wird das reich strukturierte Gelände entwickelt und so Rückzugsräume für den informellen Sport hergestellt; der Jahn-Sportpark stellt also auch zukünftig einen Gegenpol zum weitläufigen Mauerpark dar
  • Harmonische Einbindung der beiden Gebäude-Neubauten in den Sportpark durch Fassadenbegrünungen und Baumreihen

Umwelt, Ökologie, Klima

  • Weitgehender Erhalt der naturschutzfachlich sowie mikroklimatisch bedeutsamen Frei- und Vegetationsflächen (u.a. Kaltluftentstehungsgebiete) durch die minimalinvasive Nachverdichtung. Die ebenerdig und mehrgeschossig versiegelten Flächen der Planung betragen 88.885 m² und sind damit geringer als die heute versiegelten Flächen mit 89.545 m², bei besseren Aufenthaltsqualitäten und Nutzungsmöglichkeiten
  • Schonender Umgang mit dem Altbaumbestand, das sich positiv auf den Natur- und Artenschutz auswirkt: Erhalt faunistisch wertvoller Strukturen wie Baumhöhlen etc.; ferner wird damit dem naturschutzfachlichen Vermeidungsgebot bestmöglich Rechnung getragen. Der heutige Baumbestand wird um weitere 12.000 m² Baumflächen erweitert
  • Die versickerungsfähigen Flächen werden um etwa 10.000 m² ausgebaut und leisten einen wichtigen Beitrag zum ganzheitlichen Regenwassermanagement. Zukünftig vollständige Bewirtschaftung des im Sportpark anfallenden Regenwasser auf dem Gelände (Versickerung, Verdunstung, Speicherung und Nutzung zur Bewässerung etc.), dadurch
    • Sicherstellung einer guten Wasserversorgung der Vegetation im Sportpark
    • kleinklimatische Aufwertung durch erhöhte Evapotranspiration
    • Entlastung der Mischwasserkanalisation
    • nachhaltige Verringerung des heutigen Trinkwasser-Verbrauchs für die Bewässerung
  • Konsequente Umsetzung des „animal-aided designs“ beim Neubau von Gebäuden sowie beim Umbau des Stadions und damit ein gutes Habitatangebot für gebäudebrütende Tierarten (Fledermäuse, Vögel, Insekten) integriert
  • Begrünung aller Dachflächen ohne Sportflächen-Belegung sowie Nutzung durch Solarpanelen
  • Optimierung der Höhen und Konstruktionen der Gebäude und damit verbunden Minimierung von energie- und materialaufwendige Bodenbewegungen (Laden und ggf. Entsorgen)

Mobilität und Verkehr sowie Wegeverbindungen

  • Stärkung der T-förmigen Durchwegungen und Aufwertung der Eingangssituationen durch belebende Nutzungen mit baulichen Akzentsetzungen
  • Integration eines Großteils des ruhenden Verkehrs unter den Gebäuden (TG), um die Freiflächen für Bewegung und Begegnung von Menschen offenzuhalten und die Zahl offener, sich schnell aufheizender Parkplätze / Fahrzeuge zugunsten eines positiven Stadtklimas zu reduzieren
  • Schaffung eines zusätzlichen Stadionzugangs im Südwesten des Stadions.
  • Auf eine aufwendige unterirdische Anlieferung im Sinne eines Event-Stadions wird zugunsten der Ökologie und Ökonomie verzichtet

Emissionen

  • Nachhaltige Verringerung von Lärmemissionen durch eine vollständige Überdachung der Stadion-Tribünen; auch der Erhalt des Walls unterbindet Lärmemissionen des Mauerparks in Richtung Jahn-Sportpark
  • Einrahmung des Geländes mit großkronigen Bäumen die zusätzlich Lärm- und Lichtimmissionen v.a. bei der nördlich, östlich und südlich angrenzenden Wohnbebauung reduzieren
  • Punktgenaue Beleuchtung des Stadion-Innenraums durch Scheinwerfer auf dem Stadiondach, so dass Lichtemissionen auf ein unvermeidbares Mindestmaß reduziert werden
  • Herstellung der beiden Hauptwege mit einer abwärts gerichteten, insektenfreundlichen LED-Beleuchtung sowie einer smarten Steuerung zur weiteren Reduzierung von Emissionen

Textliche Erläuterung zu Szenario 2 (nicht barrierefrei)

pdf-Dokument (169,14 kB) – Stand: 10.09.2021

Grafische Erläuterung 1 zu Szenario 2 (nicht barrierefrei)

jpeg-Dokument (682,71 kB) – Stand: 13.09.2021

Grafische Erläuterung 2 zu Szenario 2 (nicht barrierefrei)

jpeg-Dokument (826,08 kB) – Stand: 13.09.2021

Grafische Erläuterung 3 zu Szenario 2 (nicht barrierefrei)

jpeg-Dokument (664,84 kB) – Stand: 13.09.2021

Grafische Erläuterung 4 zu Szenario 2 (nicht barrierefrei)

jpeg-Dokument (599,50 kB) – Stand: 13.09.2021

Grafische Erläuterung 5 zu Szenario 2 (nicht barrierefrei)

jpeg-Dokument (567,42 kB) – Stand: 13.09.2021

Grafische Erläuterung 6 zu Szenario 2 (nicht barrierefrei)

jpeg-Dokument (537,20 kB) – Stand: 13.09.2021

Grafische Erläuterung 7 zu Szenario 2 (nicht barrierefrei)

jpeg-Dokument (550,94 kB) – Stand: 13.09.2021

Szenario 3: Neubau eines Stadions an alternativer Stelle im Sportpark und Teilnutzung des bestehenden Stadions

Inhalte erarbeitet und verfasst vom Team Octagon Architekturkollektiv / Albert Wimmer / Querfeldeins

Modell von Team 3
Modell zum Entwurf für Szenario 3 (Foto: georg+georg)

Konzept

Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin besitzt das immense Potential zu einem Ort des Sports, der Erholung und des sozialen Miteinanders für ALLE zu werden.
Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (JSP) ist die drittgrößte Sportstätte Berlins und sichert zahlreichen Sportvereinen und -verbänden, Schulen und Hochschulen sowie weiteren Sportinteressierten den sportlichen Lehr-, Übungs- und Wettkampfbetrieb. Darüber hinaus ist die Anlage als öffentliche Sportanlage zugänglich und dient den Bewohnerinnen und Bewohnern der Grundversorgung mit Sportinfrastruktur. Der Sportpark gehört vor allem aufgrund des Großen Stadions (Cantianstadion) zu den wichtigsten Veranstaltungs- und Wettkampfstätten der Hauptstadt. Die Sportanlage ist ein bedeutsamer Standort in zentraler Lage für den Inklusionssport und soll mit Schwerpunktsetzung auf den Inklusionssport ausgebaut werden. Die nicht nur im Bezirk Pankow, sondern berlinweit steigenden Bedarfe an Sportflächen und die hohen Sanierungs- und Erneuerungserfordernisse des Sportparks und des Großen Stadions, haben jedoch einen dringenden Handlungsbedarf ergeben.
Aufgrund der unterschiedlichsten Nutzungsansprüche an den Entwurfsraum könnten die Anforderungen kaum komplexer sein:
INKLUSIV. NACHHALTIG. BEHUTSAM IM UMGANG MIT BESTAND. MULTIFUNKTIONAL. OFFEN. FÜR ALLE. BEWIRTSCHAFTBAR. SICHER. VERTRÄGLICH.
Die Lage des Sportparks im Herzen Berlins und die historisch gewachsenen Relikte, wie das Tribünengebäude oder der Wall an der Hinterlandmauer, verleihen dem Ort schon heute viel Charakter. Er ist verkehrstechnisch ideal angebunden und fügt sich in eine Abfolge von Grünstrukturen ein. Jedoch ist der Ort bisher sehr introvertiert und nicht für alle Nutzer*innen zugänglich. Die mit der Zeit gewachsenen Sportanlagen werden der programmatisch geforderten Dichte und der Forderung eines ersten Inklusionssportstandortes nicht gerecht.
Mit dem Szenario „Neubau eines Stadions an alternativer Stelle und Teilnutzung des bestehenden Stadions“ besteht die Chance, den Forderungen von Stadt und Stadtgesellschaft gerecht zu werden, ohne dass diese in Widerspruch miteinander treten. Der Neubau des Stadions kann verträglich, inklusiv und nachhaltig gestaltet und die alten Strukturen des Stadions in einer neuen Sportlandschaft erhalten und vielfältigen Nutzungen zugeführt werden. Die Nord-Südachse, der neue Sportboulevard, welcher in seiner Transitfunktion zu stärken ist, bündelt und reguliert alle Zugänglichkeiten und außersportlichen Funktionen. Im Osten verdichtet sich die Anzahl der Anlagen zum Sportcampus. Der neue Sportpark wendet sich aber insbesondere auch dem Quartier zu, durch niederschwellige Sportangebote in der neuen Sportlandschaft westlich des Boulevards und in den angrenzenden Grünzügen Gaudystraße und Topsstraße.

Leitthemen

Zur funktionalen Verortung des sportfachlichen und nicht sportfachlichen Bedarfes wird das Areal in zwei integrative Teilgebiete gegliedert: ein verdichteter, hochfunktionaler Sportcampus sowie eine offene, naturräumlich verknüpfte Sportlandschaft können das gesamte Bedarfsprogramm durch kompakte Flächenstrategie mit teilweise vertikaler Überlagerung aufnehmen. Individuelle Erschließungsmöglichkeiten der Teilräume entlang der zentralen Achse des Sportboulevards können die parallele Funktionalität der Nutzungen für ein Nebeneinander von Sportveranstaltung, Vereinssport, Schulsport und informell-individuellem Sport sowie nachbarschaftlicher Erholung gewährleisten.

Erlebbarkeit und Präsenz des sportspezifischen Themas der Inklusion wird durch Adressbildung an der südlichen Kante mit einsehbarer Inklusionssporthalle und Raumangeboten für ein inklusives Begegnungszentrum ander zentralen Achse priorisiert. Sowohl Sportlerinnen, Zuschauerinnen und individuelle Nutzer*innen des Parks erleben barrierefreie und inklusive Möglichkeiten zur Nutzung des gesamten Areals. Inklusion bedeutet im neuen Sportpark nicht nur barrierefreie Erschließung, sondern ein breites niederschwelliges Sportangebot für die Stadtgesellschaft, was durch Gliederung des Areals und somit der Entstehung der Sportlandschaft und der Verzahnung mit dem Kiez über den Sportboulevard gelingt.

Wenige hochbauliche Setzungen und die im Erscheinungsbild minimierte Stadionkubatur (Einsenkung) prägen eine lockere, städtebauliche Dichte. Die Öffnung des Areals über den Sportboulevard erzeugt eine Verflechtung innerhalb der Kiezstruktur und Verknüpfung des umgebenden stadträumlichen Kontexts.

Das Konzept steht unter der Prämisse des Erhalts identitätsstiftender Elemente, ökologisch/naturräumlicher Qualitäten sowie sozialräumlicher Potenziale bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Funktionalität des inklusions-fokussierten Raum-/Flächenbedarfes. Erhalten werden neben der Hinterlandmauer diverse ikonische Elemente des alten Stadions. Wallanlage, Baumbestand und die allgemeine Topographie des Areals dienen als grundlegende Elemente der landschaftsarchitektonischen Gestaltung und für die Entwicklung der Funktionsanordnung als fließender Zusammenhang.

Das neue Stadion wird zentral und südlich, längs des Sportboulevards im Areal des Sportparks situiert und in die natürliche Geländetopographie eigebettet. Das Geländeniveau entlang des Sportboulevards entspricht der Erschließungsebene E1 – der Hauptzugang zum Stadion über die Westtribüne ist hier angelagert. An der gegenüberliegenden Längsseite wird das Stadion barrierefrei über die Erschließungsebene E0 erschlossen. Über eine Brücke ist das neue Stadion mit der Bestandstribüne direkt verbunden, die bestehenden Räumlichkeiten können für Konferenzen und größere Veranstaltungen genutzt werden. Im Einklang mit den Raumanforderung wird eine kompakte Ausführung des Stadionkörpers entwickelt, die eine sensible Einfügung im Kontext der oft höheren Wohnbebauung erlaubt. Durch Konstruktion als geschlossene Hülle zwischen Spielfeld, Tribüne und Tribünendach werden die hauptsächlichen Lärmimmissionen minimiert. Die Spielfeldbeleuchtung wird durch einen rundumlaufenden Lichtkranz auf das Stadioninnere gerichtet und damit die Lichtemission für die umgebende Bebauung geringgehalten.

Die soziale Infrastruktur des Kiezes wird durch die öffentliche Nutzbarkeit der erweiterten Sport- und Aufenthaltsangebote durch die offene Raum- und Nutzungsstruktur verbessert. Der Charakter informeller, frei bespielbarer Strukturen wird im westlichen Teil des Sportparks erhalten; individuelle Nutzung der öffentlichen Bereiche wird hier durch diverse raumgestalterische Ausprägung forciert. Ein Kinderspielplatz mit diversen Bewegungsangeboten erweitert als Teil der Sportlandschaft das Alsterspektrum der Nutzer*innen. Das inklusive Begegnungszentrum, als kommunikativer Kern des Sportparks am öffentlichen Sportboulevard gelegen, erweitert die soziale Infrastruktur auf besondere Weise.

Eine Abfolge unterschiedlichster ökologischer und sozialer Funktionen prägt die Freiraum- und Landschaftsstruktur: der Sportboulevard mit Erlebbarkeit der Ebenen, welche maximale Barrierefreiheit garantieren; ein abwechslungsreicher, mulikodierter, grüner Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität und optimaler Orientierung dank integrativem Leit- und Informationssystem, die Sportlandschaft für Breitensport, die Spielflächen, aber auch Vereinssport mit ökologisch wertvollen Strukturen wie der Düne oder dem Fitnesswald kombiniert.

Prämissen wie größtmöglicher Erhalt der alten Baumstrukturen oder Ersatzpflanzungen sowie ein geringer Versiegelungsgrad über Materialität und Optimierung der notwenigen Erschließungsflächen und ressourcenschonende Verwendung von Materialien stehen für den Fokus auf Umwelt, Ökologie und Klima. Kleinräumliche Vielfalt an Grünstrukturen gerade in der Sportlandschaft fördert die Biodiversität wie Dach- und Fassadenbegrünung der
Hochbauten zur Verbesserung des Kleinklimas beitragen. Wichtige Wegeverbindungen des Sportparks zu öffentlichem Nahverkehr werden gestärkt und qualifiziert. Das Stadion erhält durch rundumlaufende Erschließung mit vier Haupteingängen eine optimale Erschließung und Logistik. Durch dessen zentrale Lage ist die Zugänglichkeit rundum barrierefrei möglich, Feuerwehrumfahrt, Feuerwehraufstellflächen sind ringsum gewährleistet. Die Entfluchtung kann in alle Richtungen erfolgen, Sammelplätze sind rund um das Stadion vorhanden. Der ruhende Verkehr wandert aus dem Sicht- und Bewegungsfeld in die zentrale Verteilerebene mit barrierefreien Parkplätzen und direktem Zugang zu
Inklusionszentrum und Stadion. 100 weitere, barrierefreien Parkplätzen werden dezentral in den jeweiligen Funktionsfeldern angeordnet, 2000 Fahrradstellplätzen finden an neuralgischen Punkten entlang des Sportboulevards Platz, der eine 24/7-Durchwegung des Sportparks ermöglicht.

Sportfachlicher und nicht sportfachlicher Bedarf (auf Grundlage der MBS 2020 von SenInnDS)

  • Gliederung des integrativen Areals in zwei Teilgebiete: verdichteter, hochfunktionaler Sportcampus & offene, naturräumlich verknüpfte Sportlandschaft
  • individuelle Erschließungsmöglichkeit der Teilräume entlang zentraler Achse (Sportboulevard), u.a. zur Gewährleistung paralleler Funktionalität der Nutzungen
  • Flächenoptimierte Nutzungsverteilung: Erfüllung der gesamten Bedarfe des aktuellen Raumprogramms durch kompakte Flächenstrategie multicodiert oder mit vertikaler Überlagerung
  • Spezialisierter, inklusiver Sportstandort neben Vereinssport, Schulsport und informellen und individuellen Sportangeboten
  • Informelle Sportangebote im Fokus des Konzepts, denn 90% der aktiv Sporttreibenden im Kiez sind nicht im Verein tätig

Inklusion

  • Erlebbarkeit und Präsenz des neuen Inklusionsschwerpunktes durch signifikante Adressbildung an öffentlichkeitswirksamer, südlicher Kante mit einsehbarer Inklusionssporthalle und Raumangeboten für inklusives Begegnungszentrum im weiteren Verlauf der zentralen Achse
  • Sowohl Sportlerinnen, Zuschauerinnen und individuelle Nutzer*innen des Parks erleben barrierefreie und inklusive Möglichkeiten zur Nutzung des gesamten Areals
  • Berücksichtigung barrierefreier Erschließung & Erreichbarkeit der Funktionen durch Verknüpfung der sportbezogenen Ebenen unter Ausnutzung des Geländeverlaufes (z.B. Erschließung des Stadions, Verknüpfung Inklusionszentrum und Sportpark, etc.)
  • Integration bedeutet im neuen Sportpark nicht nur barrierefreie Erschließung, sondern ein breites niederschwelliges Sportangebot für die Stadtgesellschaft, was durch Gliederung des Areals und somit der Entstehung der auf den Inklusionssport zugeschnittenen Sportlandschaft und der Verzahnung mit dem Kiez über den
    Sportboulevard gelingt
  • Teil des Konzepts ist ein integratives Leit- und Informationssystem über den gesamten Sportpark

Stadion (Raumprogramm, Städtebauliche und funktionale Einbindung, Adressbildung, Verortung der Funktionscluster, Abläufe)

  • Zentrale Situierung des Stadions
  • Einordnung rechterhand des Sportboulevards und damit Gewährleistung einer hervorragenden Erschließung
  • Anordnung der Haupttribüne im Westen (blendfrei für TV-Übertragungen) des Stadions, entsprechend der FIFA und UEFA Vorgaben und Erschließung entlang des Sportboulevards über aller Ebenen mittels Rampen, Aufzugsanlagen und Treppen
  • Einbettung des neuen Stadions in die natürliche Geländetopografie mit positiven Erschließungseffekten der unterschiedlichen Ebenen
  • Geländeniveau entlang des Sportboulevards entspricht der Erschließungsebene E1, Anlagerung des Hauptzugangs zum Stadion über die Westtribüne
  • Barrierefreie Erschließung des Stadions an der gegenüberliegenden Längsseite über die Erschließungsebene E0
  • Einordnung der Räumlichkeiten für die Sporttreibenden, Offizielle (Schiedsrichter, Verbandsdelegierte etc.), Greenkeeper und Facility Management in Ebene E0
  • Gewährleistung Direkte Zufahrt zum Spielfeld sowie Anlieferung über die Ebene E0
  • Rundum offene barrierefreie Erreichbarkeit der Hospitalityflächen (Kioske, Sanitäranlagen, Erste Hilfe etc.) über seichte Rampen in der Ebene E1
  • Vorhaltung der Flächen der Ebene E2 für Gastro (Küche für Eventcatering und Besucherversorgung) und Medien (Presse, TV etc.)
  • Verbindung des neuen Stadions mit der Bestandstribüne über eine Brücke zur Nutzung der bestehenden Räumlichkeiten für Konferenzen und größere Veranstaltungen
  • Die barrierefreien Sitzplätze wurden entsprechend der MVStättVO gewählt. Bei einer Nettokapazität von ca. 20.000 pax sind 125 barrierefreie Sitzplätze notwendig. Diese Sitzplätze können in allen Ticketkategorien sowie Sektoren angeboten werden.
  • Gewährleistung der logistischen Erschließung – ebene Zufahrt zum Spielfeld, TVCompound, Mannschaftsbusse – über die Verteilereben E0
  • Freihalten von Feuerwehrumfahrt, Feuerwehraufstellflächen, Entfluchtungsmöglichkeiten und Anordnung von Sammelplätzen allseitig um das Stadion
  • In Bezug auf die Fantrennung gliedert sich das Stadion in 4 Sektoren – A, B, C und D sowie einen kleineren Gästesektor an der NordWest-Kurve. Der Gästesektor bildet einem im Stadion abgegrenzten Bereich gegenüber den restlichen Sektoren in der Verteilerebene. Im Hinblick auf ein offenes durchgängiges Stadion ist es möglich den Bereich des Gästesektors über die Ebene E1 getrennt von den Gästen zu kreuzen
  • Für Veranstaltungen am Spielfeld (Konzerte) werden die Zufahrtstore als Zugang und Rettungsweg genutzt. Zusätzliche mobile Zugangstreppen zu den Mundlöchern ermöglichen eine kurze Wegeführung zu den Gastro- und Sanitärkiosken.

Städtebauliche Dichte und Kontext

  • Berücksichtigung des Umfelds mit hochverdichtetem Quartiersumgriff (Wohnbebauung) und Anknüpfung an urbane, stadtweit wirksame Freiraumangebote (Mauerpark)
  • Öffnung des Areals zur Querung 24/7 über den Sportboulevard und damit starke Verflechtung in Kiezstruktur und Verknüpfung der umgebenden Kiezbereiche
  • Schaffung der von Grün Berlin angestrebten Verbindung des Mauerparks mit dem Kiez über die Topsstraße und Wegeverbindung zwischen Inklusionszentrum und Bahnschleife
  • Schaffung eines Bindeglieds (Inklusions-Landschaftspark) zwischen Parknutzung und Sportnutzung
  • z.T. vertikale Entwicklung der Funktionen zur Reduzierung überbauter Flächen und Erhalt und Erweiterung der Freiraumstruktur
  • Wenige hochbauliche Setzungen und im Erscheinungsbild minimierte Stadionkubatur (Einsenkung) prägen lockere, geringe städtebauliche Dichte
  • Adressbildung durch präzise und behutsame Setzung des Hochpunktes
    Inklusionszentrum

Identitätsstiftende Merkmale (Flutlichtmasten, Tribünengebäude Bestand, Wallanlage) / Denkmalschutz (Hinterlandmauer)

  • Analyse der Bestandssituation und -qualitäten bzgl. funktionaler, ökologischer sowie sozialer und baukultureller Aspekte
  • Prämisse des Erhalts identitätsstiftender Elemente, ökologisch/naturräumlicher Qualitäten sowie sozialräumlicher Potenziale unter Berücksichtigung der Funktionalität des Raum-/Flächenbedarfes
  • Erhalt der beiden Flutlichtmasten in Nachbarschaft zum Mauerpark als Ikonen die das Areal überschreiten und den Park prägen
  • Abgesehen von der Betonrampe Erhalt des Haupttribünengebäudes des alten Jahn-Stadions und Reaktivierung durch zentrale Nutzung am Sportboulevard als Begegnungsort, darüber hinaus Verbindung mit der Haupttribüne des neuen Stadions
  • Partieller Erhalt der überaus bekannten, farbigen Sitzreihen der Zuschauerränge und Verflechtung dieser historischen Fragmente mit der Gestaltung der neuen Sportlandschaft
  • Erhalt der Hinterlandmauer als denkmalgeschütztes Bauwerk und darüber hinaus Freistellung und Erlebbarmachung durch Rückbau der benachbarten Tribüneneinhausung des alten Stadions sowie als Element der öffentlich zugänglichen Sportlandschaft
  • Wallanlage und allgemeine Topografie des Areals dienen als grundlegende Elemente der landschaftsarchitektonischen Gestaltung und für die Entwicklung der Funktionsanordnung als fließender Zusammenhang
  • Inszenierung und Erlebbarmachung über Führung der Laufstrecke über die Hanglagen des ehemaligen Stadions
  • Erhalt des prägenden Baumbestands (Platanenwäldchens, Pappelreihen, u.a.)
  • Versetzen der Skulptur „Fußballspieler“ in den südlichen Eingangsbereich des Sportboulevards

Soziale Infrastruktur

  • Etablierung neuer öffentlicher Nutzungen durch erweiterte Sportangebote im Bereich der Sportlandschaft
  • Erhalt des Charakters informeller Strukturen (Typ „freie Wiese“) durch individuelle Nutzung der öffentlichen Bereiche mit diverser gestalterisch/räumlicher Ausprägung
  • Einbettung neuer Kinderspielmöglichkeiten als Teil der Sportlandschaft
  • Ort des Austauschs und der Begegnung durch vielfältige Sport- und Erholungsräume als Teil der sozialen Kiez-Infrastruktur
  • Inklusives Begegnungszentrum als neuer Anlaufpunkt im Kiez

Freiraum- und Landschaftsstruktur

  • Schaffung einer Abfolge und Vielfalt von Freiräumen unterschiedlichster ökologischer und sozialer Funktionen
  • Sportboulevard:
    • Gestaltung eines abwechslungsreichen, multicodierten Erschließungsbereichs mit
      hoher Aufenthaltsfunktion und als Treffpunkt für den Kiez
    • Prägung als grüner Freiraum durch Bestandsgehölze, zahlreiche Neupflanzungen
    • als Baumhaine, Retentionsflächen und begrünte Lichthöfe der unteren Ebene
    • Stärkung der Verteilerfunktion und Gewährleistung optimaler Orientierung dank integrativem Leit- und Informationssystem, Vermittlung zwischen den Ebenen und kompletter Barrierefreiheit
    • Sicherstellung von Erschließung paralleler Verkehrsströme unterschiedlicher Nutzer*innen durch großzügige Dimensionierung, insbesondere Gewährleistung der Fantrennung durch parallele Erschließung von Norden und Süden
  • Sportlandschaft:
    • naturnahe Ausprägung als Hybrid aus Park- und Sportlandschaft für den Breitensport und den Vereinssport
    • Fokus auf inklusive Angebote
    • Angebote für alle Altersstrukturen wie Kinderspielmöglichkeiten, Fitnesswald, Beachvolleyball, Normspielfeld für Ballsport oder freie Nutzungen, Kletterwald, Blindenfußballfeld, Tischtennis für Alle, Schach im Freien und attraktive Laufbahn
    • Kombination von Naturerleben in ökologisch wertvollen Strukturen wie der Düne, dem Fitnesswald und heimischen Gehölzpflanzungen und Bewegungsfreude für die Stadtgesellschaft als optimale Ergänzung des fehlenden Naherholungsangebots in Mauerpark und Falkplatz
    • Sichtbarbleiben der Geschichte des Areals im neuen grünen Kontext durch Einbettung der Relikte wie der Waldtribüne oder den Lichtmasten und damit schnelle Identifikation der Nutzenden
  • Sportcampus:
    • Erhalt vieler Bestandsstrukturen wie dem Leichtathletikstadion, Basketballbereich
    • grüner Charakter durch Erhalt vieler Bestandsgehölze
    • Stärkung des multifunktional nutzbaren Platanenwäldchens als Aufenthaltsort und Eingangsbreich als zweites Gesicht des Sportparks mit Eingang über der Cantianstraße
    • Vorsehung kompakt angeordneter Sportangebote (Tennisfelder, Normfelder, Leichtathletik, etc.) und dadurch Reduktion von Ballfangzäunen auf ein Minimum
    • Vorsehung von kleineren Retentionsflächen und Neupflanzungen in den Fugen

Umwelt, Ökologie, Klima

  • Größtmöglicher Erhalt der alten Baumstrukturen, Ersatzpflanzungen mit klimatoleranten Arten
  • Geringer Versiegelungsgrad über Materialität und Optimierung der notwendigen Erschließungsflächen
  • Speichern von Oberflächenwasser über Zisternen oder Rückhalt in Retentionsflächen und anschließende Versickerung
  • Kleinräumliche Vielfalt an Grünstrukturen vom Trockenstandort in der Düne bis zum Feuchtstandort in den Retentionsflächen fördert die Biodiversität
  • Ressourcenschonende Verwendung von Materialien
  • Verbesserung des Kleinklimas durch Dach- und Fassadenbegrünung der Hochbauten

Mobilität und Verkehr sowie Wegeverbindungen

  • Stärkung und Qualifizierung der Verbindungen des Sportparks zu öffentlichem Nahverkehr
  • Adressbildung durch das Gebäude des Inklusionszentrums mit Vorplatz stärkt die Orientierung und Auffindbarkeit des Sportparks
  • Optimale Erschließung und Logistik des Stadions durch rundumlaufende Erschließung mit vier Haupteingängen
  • Ruhender Verkehr wandert aus dem Sichtfeld in zentrale Verteilerebene/Parkfläche in Ebene 0 mit den geforderten barrierefreien Parkplätzen mit direktem Zugang zu Inklusionszentrum und Stadion; zusätzlich dezentrale Anordnung von 100 barrierefreien Parkplätzen in den jeweiligen Funktionsfeldern
  • Dezentrale Anordnung von 2000 Fahrradstellplätzen an neuralgischen Punkten
  • Gewährleistung einer 24/7 Durchwegung des Sportparks mit gleichzeitiger Regulierung der Zugänglichkeit der einzelnen Funktionsfelder

Emissionen (Lärm und Licht)

  • Ausbildung des Stadionneubaus als geschlossene Hülle zwischen Spielfeld, Tribüne und Tribünendach bei leichter Konstruktionsweise die die hauptsächlichen Lärmimmissionen minimiert
  • Referenzprojekte gleicher Bauweise in direkter Nachbarschaft zu Wohnbebauung zeigen funktionale Koexistenz von Stadionfunktion und Wohnen in geringer Distanz
  • Minimierung der Schallemission durch eine rundumlaufende geschlossene Schallschutzfassade (Verglasung) und schallabsorbierende Materialien an der Dachuntersicht
  • Weitere Reduzierung der Lärmemissionen des Stadionumgangs (außerhalb Innenraum) durch Ausbildung außenliegender Hüllfläche
  • Ausrichtung der Spielfeldbeleuchtung durch einen rundumlaufenden Lichtkranz asymmetrisch strahlender LED-Fluter auf das Stadioninnere und damit Minimierung der Lichtemission für die umgebende Bebauung

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